Hauptmarkt

958 erhielt Trier das Marktrecht. Der Hauptmarkt wurde zum Zentrum des mittelalterlichen Triers mit

  • der Steipe, dem Festhaus des Stadtrates mit unmittelbarem Zugang zur Stadtkirche St. Gangolf (durch das kleine Barocktor an der Südseite zu erreichen - die Kirche selbst ist völlig von Häusern und Verkaufsständen umbaut)
  • dem offiziellen städtischen Ellenmaß (Rekonstruktion) an der Steipe
  • Pranger (in der südlichen Ecke des Marktes versetzt rekonstruiert)
  • Zugang zum Dom
  • Zugang zum Judenviertel
  • sowie Zugang zu insgesamt sechs Straßen

Nach dem Normannensturm von 882 verlegte der Erzbischof den Marktplatz vom Fluß auf den heutigen Standort; das Marktkreuz von 958 erinnert noch an diesen Vorgang. Das Original des Kreuzes befindet sich im Stadtmuseum Simeonstift, der Säulenschaft bildete ursprünglich eine römische Granitsäule des Doms.

Der Marktbrunnen von 1595 zeigt den Hl. Petrus, Schutzpatron sowohl des Doms als auch der Stadt, obenauf. Er ist umgeben von den vier Kardinaltugenden des guten Stadtregiments, Gerechtigkeit, Stärke, Mäßigkeit und Klugheit (Originale im Stadtmuseum Simeonstift), aber auch von kleinen Ungeheuern und Schabernack treibenden Äffchen.

Der Brunnen wie auch der Dom, die Pfarr- und (frühere) Zunftkirche St. Gangolf sowie die Steipe nahmen alle Anteil an dem dreihundertjährigen Ringen zwischen den Trierer Bürgern und den jeweiligen Erzbischöfen um die Stadtherrschaft. Zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert waren die Trierer Erzbischöfe sowohl die geistlichen als auch die weltlichen Herren geworden. Der Dom war als Bischofskirche das kirchliche Zentrum der Stadt. Dem Selbstbewusstsein des Bürgertums tat dies keinen Abbruch: Dank einer großzügigen Schenkung der reichen Metzgerswitwe Adelheid von Besselich konnten die Bürger den Kirchturm ihrer Marktkirche St. Gangolf erhöhen und besaßen damit schlussendlich den höchsten Kirchturm der Stadt. Auf diese symbolische Provokation musste der Bischof reagieren. Er hatte jedoch nur genügend Geld, um 1515 einen der beiden Türme des Domes, den Südturm, mit einem zusätzlichen, gotischen Stockwerk zu erhöhen.

Das weltliche Gebäude der Steipe wurde von der Stadt direkt in Sichtweite des Doms mit trutzigen Zinnen und Gewappneten, die auf den Dom ausgerichtet sind, errichtet, damit der Erzbischof es jeden Tag sah. Trier erlangte jedoch nie die Reichsunmittelbarkeit, und 1595 ließ der damalige Erzbischof den Marktbrunnen mit dem Hl. Petrus in seiner Doppelfunktion als versöhnliche Geste errichten.

Trier besitzt nur wenige Fachwerkhäuser - die römische Steinbautradition hielt sich hier schon alleine wegen der Verfügbarkeit an großen Mengen antiken Steinmaterials.