Karl Marx

Kein anderer Mensch hat die Geschichte des 19 und 20. Jahrhunderts durch seine Theorien und Schriften so beeinflusst wie Karl Marx. Die Entwicklung der deutschen Sozialdemokratie, der europäischen Arbeiterbewegung und der kommunistischen Ideologien wären ohne die Auseinandersetzung mit seinem Gedankengut kaum verständlich.

Marx und seine Heimatstadt

Karl Marx wurde am 5. Mai 1818 als drittes Kind des Anwalts Heinrich Marx und dessen Ehefrau Henrietta in Trier geboren. Die Eltern entstammten traditionsreichen Rabbinerfamilien, konvertierten jedoch unter der preußischen Obrigkeit zum Protestantismus, da der Vater sonst sein Amt als Justizrat nicht hätte weiterführen dürfen. Karl Marx’ Geburtshaus, heute Museum und zugleich Pilgerstätte vor allem für chinesische Touristen, steht in der Brückenstraße 10. Allerdings lebte die Familie dort nicht lange: Bereits 1819 zog sie in ein kleines Wohnhaus in der Simeonstraße. Dass der Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus ausgerechnet aus dem katholischen Trier und zudem noch aus einer Bürgerfamilie stammt, wurde und wird zum Teil auch heute noch als paradox empfunden. Und doch zeigt sich bei näherer Betrachtung, dass die Stadt zu jener Zeit geradezu prädestiniert dafür war, revolutionäre Impulse zu geben: Trier wurde nach dem Wiener Kongress von 1815 der Herrschaft des Königreichs Preußen zugeschlagen, was mit geistiger und politischer Unterdrückung sowie wirtschaftlichem Abstieg einherging. Die preußische Zollpolitik unterband den Handel der Weinbauern mit den westlichen Nachbarn und erschwerte den Weinabsatz in Preußen selbst. Dies führte in Verbindung mit hohem Steuerdruck und stetig steigenden Preisen zu großer wirtschaftlicher Not: 1831 lebte fast ein Drittel der Bevölkerung am Rand oder unterhalb des Existenzminimums. Die soziale Lage und die politischen Spannungen mit dem preußischen Staat stürmten auf den jungen Karl Marx ein, den es nach seinem Abitur 1835 erst zum Jurastudium nach Bonn und ein Jahr später nach Berlin zog.

Dort stieß er zum Kreis der Junghegelianer, deren Einfluss seine Hinwendung zu den Geisteswissenschaften förderte. Mit einer Promotion zum Doktor der Philosophie schloss Marx 1841 seine Studienzeit ab. Da die geplante Hochschulkarriere nicht in Gang kam, wurde er Redakteur der Rheinischen Zeitung in Köln, die für humanistischen Fortschritt und demokratische Grundrechte kämpfte. In seinen Artikeln beschäftigte sich Marx zum Teil intensiv mit der Trierer Region: Verhandlungen des rheinischen Landtags über die Lage der Moselwinzer und das Holzdiebstahlsgesetz sowie Debatten über Freihandel und Schutzzölle bildeten den Anlass, sich erstmals mit sozial-ökonomischen Fragen und dem Armutsproblem auseinanderzusetzen.

Stationen in Paris und Brüssel

Nach dem Verbot der Zeitung emigrierte er 1843 mit Ehefrau Jenny nach Paris, wo er Freundschaft mit Friedrich Engels schloss. Nach der Ausweisung zwei Jahre später ließen sich beide in Brüssel nieder. Dort verfassten Marx und Engels am Vorabend der 1848er Revolution mit dem „Manifest der Kommunistischen Partei“, einer Auftragsarbeit für den Bund der Kommunisten, eine der einflussreichsten politischen Schriften der Geschichte. Das Manifest legte erstmals die sozialistisch-kommunistische Geschichts- und Gesellschaftstheorie der beiden Verfasser dar und beinhaltete die Vorstellung, mittels einer proletarischen Revolution, die den Kapitalismus überwindet, eine klassenlose Gesellschaft zu erreichen. Dieser Umbruch ließ sich Marx zufolge nur durch einen Klassenkampf realisieren, zu dem auch im vierten Abschnitt der Schrift aufgefordert wird („Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!“).

Im März 1848 begaben sich Marx und Engels nach Köln, einem Brennpunkt der deutschen Revolution, wo sie auf eine zentrale deutsche Arbeiterorganisation hinarbeiteten. Mit Gesinnungsgenossen gründete Marx die „Neue Rheinische Zeitung“. Sie verfolgte eine Politik des Bündnisses aller demokratischen Kräfte gegen die alten Mächte. Nachdem die Zeitung wegen Zensur und wirtschaftlicher Schwierigkeiten eingestellt werden musste, zog der nun mittellose Marx mit seiner Familie nach London, wo er bis zu seinem Tod 1883 in ärmlichen Verhältnissen lebte. Hier begann – unterbrochen von politischen Aktivitäten wie der Mitbegründung der Internationalen Arbeiter-Assoziation (IAA) – sein intensives Studium der klassischen Nationalökonomie. Nach jahrelanger Vorarbeit veröffentlichte er 1867 den ersten Band seines theoretischen Hauptwerks „Das Kapital“, einer Kritik der kapitalistischen Produktionsweise.

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