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Drei Personen stehen mit dem Rücken zur Kamera vor der Porta Nigra in Trier. Ein Mann im türkisfarbenen T-Shirt zeigt nach oben auf das antike römische Stadttor; neben ihm stehen zwei Frauen in orangefarbenem und weißem T-Shirt. - © Trier Tourismus und Marketing_Victor Beusch
Trier für Alle

Nachhaltigkeitskonzept für den Tourismus: Trier nachhaltig weiterdenken

11.09.2026

Neues Nachhaltigkeitskonzept bündelt bestehende Ansätze und setzt Schwerpunkte für die künftige Tourismusentwicklung

Ein neues Nachhaltigkeitskonzept für den Tourismus der Stadt Trier verankert Nachhaltigkeit künftig ganzheitlich in der strategischen Stadt- und Tourismusentwicklung. Dabei geht es nicht allein um ökologische Fragen, sondern auch um soziale und wirtschaftliche Aspekte. Das Konzept setzt bewusst nicht bei null an: Bestehende städtische Strategien, Fachkonzepte, Maßnahmen und Aktivitäten wurden systematisch daraufhin betrachtet, welche Ansätze bereits vorhanden sind, wo sie stärker miteinander verzahnt werden können und an welchen Stellen Handlungsbedarf besteht. Die fachliche Analyse und Ausarbeitung erfolgte mit der fundierten Unterstützung des Berliner Beratungsunternehmens mascontour. Im Mittelpunkt steht das Prinzip des qualitativen Wachstums: Tourismus soll Wertschöpfung schaffen und dabei gleichzeitig die Aufenthaltsqualität für Gäste und die Lebensqualität der Triererinnen und Trierer stärken.

Der Tourismus ist für Trier ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Rund 6,3 Millionen Aufenthaltstage generierten 2024 einen Bruttoumsatz von rund 340,2 Millionen Euro. Das daraus resultierende touristisch generierte Einkommen liegt bei rund 167,7 Millionen Euro; etwa 7.400 Beschäftigungsverhältnisse stehen mit der touristischen Nachfrage in Verbindung. Hinzu kommen kommunale Steuereffekte von jährlich insgesamt rund 9,15 Millionen Euro. Umso wichtiger ist es, diese Wertschöpfung langfristig zu sichern und die touristische Entwicklung mit den Bedürfnissen der Stadt in Einklang zu bringen. „Mit dem ‚Tourismus- und Hotelkonzept Trier 2030+‘ haben wir vor vier Jahren bewusst Qualität vor Quantität gestellt. Das Nachhaltigkeitskonzept ist der nächste logische Schritt: Es übersetzt diesen Anspruch in konkrete Aufgaben – von Mobilität und Besucherlenkung über regionale Produkte bis hin zu Barrierefreiheit und Klimaanpassung“, ist Yannick Jaeckert, Geschäftsführer der Trier Tourismus und Marketing GmbH, überzeugt. „Entscheidend ist für uns, dass Tourismus nicht losgelöst von der Stadt gedacht wird, sondern einen Beitrag dazu leistet, Trier für Gäste und Einheimische gleichermaßen attraktiv zu halten.“

Fünf Ziele für einen nachhaltigen Tourismus

Das Nachhaltigkeitskonzept knüpft an die in verschiedenen städtischen Strategien und Fachkonzepten bereits formulierten Ansätze an und führt sie aus touristischer Perspektive zusammen. Auch die bisherige Ausrichtung auf qualitatives Wachstum im Trierer Tourismus wird dabei fortgeführt. Auf dieser Grundlage formuliert das neue Konzept fünf strategische Ziele: Regionale Wertschöpfung und nachhaltige Produkte sollen gestärkt, klimafreundliche Mobilität gefördert, umweltgerechte und inklusive Standards etabliert, die Akzeptanz des Tourismus erhöht und die organisatorischen Voraussetzungen für eine langfristig nachhaltige Entwicklung gesichert werden. Dabei wurde bewusst auf einen praxisnahen Ansatz gesetzt: Maßnahmen werden priorisiert, mit Zeithorizonten versehen und verantwortlichen Akteuren zugeordnet. Diese fachliche Priorisierung soll nicht nur die konkrete Umsetzung erleichtern, sondern schafft zugleich eine belastbare Grundlage für die Entwicklung weiterer Projekte und künftige Förderanträge.

„Wir wollen unseren Tourismus nachhaltig Schritt für Schritt fortentwickeln“, so Triers Tourismusdezernent Markus Nöhl. „Dafür bietet das umfassende Konzept zahlreiche Maßnahmen, die wir mit unseren Partnerinnen und Partnern gezielt verfolgen. Denn Trier ist eine Tourismusstadt. Von dieser starken Wirtschaftsbranche profitiert die ganze Stadtgemeinde – durch Umsatz in den Geschäften, mannigfaltige Angebote, Dienstleistungen und Events sowie zu guter Letzt auch durch Steuereinnahmen für die Stadt.“

Vom „Grünen Spaziergang“ bis zur besseren Besucherlenkung

Acht Schlüsselprojekte machen den Praxisanspruch des Konzepts sichtbar. Zum Beispiel gehört dazu die Entwicklung eines „Grünen Spaziergangs“, der Grünräume, kühle Orte, Fassadenbegrünung, Fair-Trade-Angebote und kleine Manufakturen miteinander verbinden und sowohl Gästen als auch Einheimischen neue Perspektiven auf die Stadt eröffnen soll. Auch zusätzliche kulturtouristische Angebote in der Nebensaison sollen entwickelt werden, um die touristische Nachfrage gleichmäßiger über das Jahr zu verteilen.

„Trier verfügt aktuell über ein solides Beherbergungsangebot. Für eine nachhaltige touristische Entwicklung wird es aber entscheidend sein, dieses Angebot zu sichern und gezielt weiterzuentwickeln – sowohl qualitativ als auch quantitativ dort, wo zusätzliche Kapazitäten nötig sind. Dabei geht es vor allem um ein ausgewogenes Angebot, das bestehende Lücken schließt und die Bedürfnisse unterschiedlicher Zielgruppen berücksichtigt. Dafür braucht es verlässliche Rahmenbedingungen und Investitionen, die eine behutsame Weiterentwicklung ermöglichen“, sagt Anette Seidel von mascontour.

Ergänzend sieht das Konzept den Ausbau von Netzwerken und geeigneten Umsetzungsstrukturen vor und bündelt bereits laufende oder angestoßene Maßnahmen, darunter E-Mobilität und Radverkehr, bessere ÖPNV-Anbindungen von Rad- und Wanderwegen, Barrierefreiheit, Begrünung und Trinkwasserspender. Auch der Umgang mit zunehmender Hitze im städtischen Raum und die damit verbundene Aufenthaltsqualität werden in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle spielen.

Gemeinsam entwickelt

Für die Erarbeitung des Konzepts wurden bestehende städtische Strategien und Fachkonzepte ausgewertet und deren Maßnahmen mit dem jeweiligen Umsetzungsstand abgeglichen. Ergänzt wurde diese Analyse durch eine Befragung zahlreicher touristischer Akteure sowie zwei Workshops, in denen Ergebnisse, Handlungsbedarfe und Maßnahmen gemeinsam diskutiert und weiterentwickelt wurden. Dabei zeigte sich, dass in Trier bereits vielfältige Aktivitäten bestehen – unter anderem bei regionaler Beschaffung, Ressourcenschonung und nachhaltiger Mobilität –, zugleich aber insbesondere bei Fördermöglichkeiten, Ressourcenmanagement und der weiteren Vernetzung Unterstützungsbedarf besteht. Das Nachhaltigkeitskonzept wurde im Rahmen des Projekts „Lebens(t)raum Innenstadt Trier“ erarbeitet, das über das Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ gefördert wird. Auftraggeber ist die Stadt Trier, vertreten durch das Innenstadtmanagement, in Kooperation mit der Trier Tourismus und Marketing GmbH.