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Trier für alle

Steipe und Rotes Haus

Wie viel ist das eigene Selbstbewusstsein wert? Im Trier des Jahres 1965 konnten die Bürger darauf eine Antwort geben: 105.200 Mark. So viel Geld hatten sie innerhalb eines halben Jahres gespendet, um die Steipe, die bis auf einen Treppenturm im Krieg komplett zerstört worden war, wieder aufzubauen. Fünf Jahre später wurde das markante Gebäude am Hauptmarkt eingeweiht, originalgetreu rekonstruiert im spätgotischen Stil.

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Keine Selbstverständlichkeit: Andere Stimmen hatten einen modernen Neubau gefordert. Doch dagegen wandten sich weite Teile der Bürgerschaft. Schließlich hatten sie den Bau bereits im 15. Jahrhundert aus eigener Tasche bezahlt und die prunkvolle Fassade mit wehrhaftem Zinnenkranz und symbolträchtiger Figurengestaltung auch als Ausdruck ihres eigenen Selbstverständnisses verstanden wissen wollen: In unmittelbarer Nähe zum Dom sollten ihr Wohlstand und ihre damit verbundene Machtfülle dem Erzbischof stets vor Augen gehalten werden. Auch deshalb brachten sie die beiden Ritterfiguren im ersten Stock an: Während der eine Ritter mit offenem Visier friedlich auf den Markplatz zu seinen Füßen blickt, hat der andere Ritter sein Visier geschlossen und schaut, die Hand bereits am Schwert direkt zum Dom hinüber. Die hier zu sehenden Figuren sind Kopien; ihre Originale befinden sich im Stadtmuseum Simeonstift.

Selbstbewusstsein war übrigens auch die Idee, die hinter der Erbauung des Roten Hauses stand. Direkt um die Ecke in der Dietrichstraße stehend, erinnert das 1684 errichtete und zusammen mit der Steipe wieder aufgebaute Wohnhaus des reichen Ratsherrn und Domsekretärs Johann Wilhelm Polch in goldenen Buchstaben an eine Legende, die bereits um 1100 in der Trierer Bistumschronik erwähnt wird: Nach ihr wurde Trier nicht 17 v. Chr. von den Römern, sondern 1300 Jahre vor Rom vom Assyrer-Sohn Trebeta gegründet. Wirklich glauben konnten das im 17. Jahrhundert die wenigsten. Gut tat die Erzählung der Seele trotzdem – so kurz nach den Wirren des Dreißigjährigen, des Französisch-Niederländischen, des Reunions-, des Spanischen und des Pfälzischen Erbfolgekrieges mit dem damit verbundenen, massiven Bevölkerungsschwund. Selbstbewusstsein ist eben das, was man daraus macht.

Ein Muss für: Durchsetzungsstarke. Legendenerzähler. Architekten und Architektur-Inspirierte.

Bürgerbeteiligung: 70%
Stolz: 70%
Rekonstruktion: 70%


PSSSST! DER GEHEIMTIPP:
Direkt links neben dem Roten Haus befindet sich ein Glockenspiel an der Hausfassade. Zu jeder vollen Stunde spielen seine 14 Glocken die Melodie eines Musikstückes, das je nach Saison wechselt.  Zur Auswahl stehen beispielsweise das „Mosellied“ des Trierer Domorganisten Georg Schmitt, der „Moselgruß“ des Trierer Komponisten Karl Werding oder der Weihnachtsklassiker „Süßer die Glocken nie klingen“.

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  • Ankunftsort:
    Trier, Steipe und Rotes Haus

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Da die Steipe und das Rote Haus ein Café und ein Restaurant beherbergen, sind Besichtigungen nur von außen möglich.

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